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Sonstige Nachrichten - Montag, den 31 Mai 2021

In memoriam Prof. Dr. Ábrahám István Miklós (1967-2021)

Mit tiefster Erschütterung nehmen wir von Professor Dr. Ábrahám István, dem Direktor des Physiologischen Institutes der Medizinischen Fakultät der Universität Pécs, von unserem geliebten Kollegen Abschied.

Ábrahám István wurde 1967 in Budapest geboren.

Er absolvierte sein Studium im Jahre 1993 „summa cum laude“ in der Fachrichtung Allgemeinmedizin an der Medizinischen Universität Pécs.

Als Mitglied des wissenschaftlichen Fachzirkels begann er mit seiner Forschungstätigkeit im Physiologischen Institut, in der Akademischen Forschungsgruppe des Lehrstuhls für Neurophysiologie unter der Leitung von Lénárd László. Schon als Student erzielte er hervorragende Ergebnisse: Er war dreifacher „Stipendiat der Republik“, er gewann das „Stipendium der DemonstratorInnen“ und er bekam 1993 die Goldmedaille „Pro Scientia“. Auf einzigartige Weise hielt er 1993 zwei Vorträge als Erstautor auf der Landeskonferenz der wissenschaftlichen Fachzirkel. Ein Vortrag wurde über die HPLC-Messungen der zerebralen Neurotransmitter (II. Platz) gehalten, der andere Vortrag war von den damals als Novum geltenden Chaostheorien inspiriert, das Thema dieses Vortrags war die Analyse des Ljapunow-Exponenten und der Korrelationsdimension von EEG-Signalen (I. Platz).

Nach dem Abschluss absolvierte er sein PhD-Studium in Budapest, im Forschungsinstitut für Experimentelle Medizin unter der Leitung von Kovács Krisztina, dazwischen erweiterte er seine Fachkenntnisse in den Niederlanden, an der Universität Groningen in der Forschungsgruppe des weltberühmten Neuroendokrinologen, Bohus Béla. Er verteidigte seine Dissertation 1998 „summa cum laude“ in der Doktorschule der Semmelweis Medizinischen Universität. 

Nach dem Erwerb des Doktortitels war er für weitere zwei Jahre in der Forschungsgruppe für Molekulare Neuroendokrinologie des Forschungsinstitutes für Experimentelle Medizin tätig, wo er sich mit den stressassoziierten neuronalen Netzwerken beschäftigte.

Zwischen 2000 und 2002 forschte er mit einem Marie-Curie-Stipendium in England, genauer im Babraham-Institut in Cambridge, wo er zu den Professoren Allan Herbison und Seong Kyu Han einen lebenslangen beruflichen Kontakt aufbaute. Zu dieser Zeit richtete sich sein Interesse auf die Untersuchung der nicht-genomischen Wirkungen von Östrogen im Gehirn.

Nachdem er nach Hause gekommen war, war er für vier Jahre leitender Forscher der Forschungsgruppe für Neurobiologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) und der Eötvös-Lóránd-Universität (ELTE), wo er die zerebralen Wirkungen von Östrogen untersuchte. Während dieser Periode erwarben zwei DoktorandInnen unter seiner fachlichen Leitung den Doktortitel.

Im Jahre 2007 bekam er an der Otago-Universität in Neuseeland die Möglichkeit, eine eigene Forschungsgruppe ins Leben zu rufen und diese zu leiten, wodurch er bedeutende fachliche Erfolge erzielte. Während der hier verbrachten sechs Jahre absolvierten wieder zwei DoktorandInnen unter seiner Leitung ihr PhD-Studium. Während der Jahre in Otago baute er eine enge Zusammenarbeit mit Japan auf, und zwar mit Akahiro Kusumi, der als ein renommierter Vertreter des wissenschaftlichen Bereiches der Einzelmolekül-Detektion gilt. Als Ergebnis dieser Kooperation wendete sich sein Interesse immer mehr der Superresolutions-Mikroskopie zu.

Obwohl er im Ausland Erfolge erzielte, fühlte er sich immer von der Heimat angezogen, er stellte sich die Zukunft seiner Familie und Kinder in Ungarn vor. Schließlich konnte er 2011 an seine Alma mater heimkehren. Unter anderem mit der Unterstützung des Szent-Györgyi-Albert-Stipendiums „Hazahívó“ („Komm heim“) begann er ab 2013 seine innovativen Ideen zu verwirklichen. Im Jahre 2014 wurde er zum Doktor der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Nachdem er zum Professor ernannt worden war, etablierte er die Forschungsgruppe für Molekulare Neuroendokrinologie, die kontinuierlich erweitert wurde und sich in wenigen Jahren zu einer fachlich vielseitigen und außergewöhnlich eng zusammenhaltenden Gruppe entwickelte. Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Etablierung des landesweit ersten Zentrums für Neurowissenschaften an der Universität Pécs, zu dessen Vorsitzenden er ernannt wurde. Nachdem er 2019 die Position des Institutsinhabers des Institutes für Physiologie übernahm, engagierte er sich auch in dieser Arbeit mit der ihm gewohnten Agilität und Zielstrebigkeit. Bei der organisatorischen Umgestaltung galt bei ihm als Grundsatz, die Ambitionen von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu fördern und diese im Interesse des Institutes zusammenzubringen, wodurch für die kontinuierliche Entwicklung der Arbeit im Bereich Forschung und Unterricht eine optimale Atmosphäre geschaffen wurde. Außer diesen Aktivitäten arbeitete er mit heldenhafter Kraft auch an der Verwirklichung einer seiner Träume: Er begann mit dem Aufbau eines auch in Europa einzigartigen mikroskopischen Zentrums, das in diesem Jahr fertiggestellt wurde und in dem die internationalen Forschungen bald beginnen können.

Er war Mitglied des Redaktionsausschusses mehrerer internationaler wissenschaftlicher Fachzeitschriften und Mitglied wissenschaftlicher Gesellschaften. Am Anfang dieses Jahres wurde er zum Vorsitzenden der auch international anerkannten Ungarischen Gesellschaft für Neurowissenschaften gewählt, in der mehrere hundert renommierte Forscherinnen und Forscher tätig sind.

Professor Ábrahám betrachtete seine Arbeit als Dienst, den er mit unglaublicher Berufung und Hingabe ausübte. Seine fast unendliche Leistungsfähigkeit, sein Elan, Ausdauer und seine Lebensfreude wirkten inspirierend auch auf die Arbeit und das Leben der mit ihm arbeitenden KollegInnen. Seine menschliche Größe erwies sich auch darin, dass er sich seinen Mitmenschen außer der übernommenen Verantwortung mit innerlicher Spontaneität zuwendete. Ein jeder konnte ihn als Freund betrachten.

Lieber István, wir nehmen in Trauer Abschied von Dir. Du bist plötzlich gegangen, Du hinterlässt eine Leere in unserer Seele. Durch das Vermächtnis Deiner Arbeit bleibst Du weiterhin unter uns und in der neurowissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft. Die Pläne, die Du Dir zum Ziel gesetzt und verwirklicht hast, determinieren das Zukunftsbild und die Erfolge des neuen Physiologischen Institutes des XXI. Jahrhunderts unumkehrbar. Deine Gesinnung lebt in den schon gestarteten wissenschaftlichen Forschungsprojekten, in den Mikroskopen, in den ambitiösen Plänen, in den Herzen, in den Erinnerungen, in den Taten und in den zukünftigen Entscheidungen der KollegInnen und Freunde weiter. Wir danken Dir dafür, dass Du große Träume gewagt hast und deine Träume während Deiner kaum zehn Jahre langen, aber entscheidenden Arbeit in Pécs in großem Maße verwirklicht hast. Ohne Dich wird es schwer sein, das alles fortzuführen, wir können jedoch deinem Gedächtnis nur dann treu bleiben, wenn wir die von Dir geträumte Zukunft auch trotz der Schwierigkeiten weiterträumen.

Ruhe in Frieden!

 

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Institutes für Physiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Pécs

 

Deutsche Übersetzung:

András Szelényi

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