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Sonstige Nachrichten - Mittwoch, den 5 Mai 2021

"Die Studentenjahre in Pécs haben zu meiner Gedenkweise, zu meiner Einstellung bezüglich Labordiagnostik und zu meinen Grundkenntnissen unerlässlich beigetragen"

Dr. Orsolya Benedek erinnert sich gern an den Jahren um 1990, als sie die Studentin der damaligen Medizinischen Universität Pécs war. Geschichtlich war es eine wechselhafte, bewegte und abenteuerliche Periode, aber die Begeisterung, der Schwung und der Ehrgeiz der damaligen Jugendlichen wurde dadurch nicht beeinflusst. Dazu hat die Tatsache auch beigetragen, dass die „großen alten Seelen“ der Medizinischen Fakultät damals noch lebten und unterrichteten. Später zog sich Orsolya um nach Rostock, und seitdem arbeitet Sie dort, an der Universität im Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene) als Fachärztin, Dozentin, Qualitätsmanagerin, und außerdem leitet Sie das Laboratorium für Krankenhaushygiene und Wassermikrobiologie dort.

 

Verfasst von Rita Schweier

 

- Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn sie an die Zeiten an der Medizinischen Fakultät in Pécs denken?

- Zuerst fällt mir ein, dass das Unterrichten damals sehr analog war, und dass es nur minimale Digitalisierung gab, was einerseits vorteilhaft war, aber andererseits hatte es auch Nachteile. Uns war es schwieriger das Lehrmaterial erwerben, aber gleichzeitig hat die aktive Mitarbeit uns das Lernen durch Denken und das kontextuelle Denken ermöglicht. Ich mache heute noch auch Notizen während interessanter Vorträge, auch wenn alles schon auch digital erreichbar ist. Meine Studentenjahre haben noch immer Einfluss auf mich.

- Wie war damals die Stimmung?

Als ich die Fakultät besuchte, in der 90-er Jahren, war sie noch eine selbständige Universität. Nach langen Jahrzehnten belangte ich zum ersten Studiengang, bei dem die schulische Leistung die Voraussetzung der Zulassung war. Das ganze Land war damals durch die Anpassung an einem neuen System bestimmt – was bedeutet es in einer bürgerlichen Demokratie und Marktwirtschaft zu leben – und dadurch wurde natürlich auch die Medizinische Universität Pécs beeinflusst: wie kann die Universität aus einem sozialistischen Hochschulinstitut zu einem niveauvollen, modernen aber auch ihren Traditionen bewahrenden Institut. Das Dialyse Zentrum wurde damals gebaut, mit der Nierentransplantation wurde auch damals begonnen, die Organisierung des Herzzentrums mit einem Herzkatheter-Laboratorium an der II. Operationsklinik in Irgalmasok Straße begann auch in diesem Zeitraum. All dies ohne Unterstützung der Europäischen Union, mit sehr ernsten wirtschaftlichen Problemen im Hintergrund. Unabhängig davon, wir waren froh und aufgeschlossen. Damals war der Schwerpunkt an der Theorie, und die praktischen Voraussetzungen waren sehr gering. Diese Fähigkeiten konnte man nur durch mit eigenem Fleiß entwickeln. Ausnahme war die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, dort wurde das Unterrichten in Kleingruppen, die eigene, ambulante Hospitalisation – wegen Fachbereich spezifischen Gründen- propagiert, was nicht nur ein lebenslanges Erlebnis bedeutete, sondern dadurch konnte man auch wirksamer studieren.

- Wer hat Sie unterrichtet, und wie war die Beziehung mit Ihren Professoren?

- Die Professoren wurden in den 90er Jahren gewechselt, es war auch ein großer Generationswechsel auch. Ich konnte noch von den „großen alten Seelen“ studieren: Béla Flerkó, Gábor Kelényi, Ferenc Varga, Iván Kétyi, András Tigyi, József Tigyi, Endre Kuhn und neben ihnen haben die jungen Ordinaten auch schon damals unterrichtet: László Pajor, Tamás Dóczi, István Ember, Miklós Kellermayer, Judit Nagy, Péter Németh. Mir waren die Vorlesungen von Károly Méhes, Károly Ozsváth, Alajos Pár, Gábor Ternák, Gyula Tóth, Marietta Vértes und Zibotics Hilda besonders lieb. Sie alle waren unerreichbar für uns, sie saßen am Olymp. Wir hatten mehrere hervorragende, begeisterte und hilfsbereite Praxisleitern, Mentoren auch, mit denen wir eine informale Beziehung, und sie haben alles für uns getan und uns geholfen, die unterschiedliche Fächer erlernen zu können. Ich erinnere mich liebevoll und mit höchstem Respekt an meinen Professoren, von denen mehrere eine schöne Karriere sowohl in ihren Fachgebieten als auch in der Bildungspolitik hinter sich haben: József Bódis, Béla Csala, József Deli, Péter Gyûrûs, Katalin Hollódy, Iván Horváth, Gábor Farkas, Béla Mezey, Júlia Nagy, Zsuzsanna Nagy, Gábor Pethõ, Zoltán Pfund, Zoltán Porpáczy, Péter Révész, András Szörényi, Zsuzsanna Vértes, Gábor Deák.

- Wie konnten Sie mit Ihren Mitstudent*innen einander behilflich sein?

- Wir unterstützten einander und waren gute Kollegen zueinander trotz dessen, dass unser Vorleben, unser Interesse und Ziele sehr unterschiedlich waren. Wir haben die Informationen bezüglich unseres Studiums, die Notizen über die Vorlesungen und Praktika einander mitgeteilt und einander im Wissenschaftlichen Studentenzirkel unterstützt.

Das Fachkollegium Histologie war in den ersten drei Semestern sehr berühmt, es wurde im damaligen „A“ Kollegium am 48er Platz – heute das Rektorat – veranstaltet. Die Student*innen – von höheren Jahrgängen - des Wissenschaftlichen Studentenzirkels des Instituts für Anatomie haben in während diesen Vorlesungen die Besonderheiten der Ausschnitten, die im Rigorosum und in den Anatomie-Prüfungen abgefragt wurden, uns demonstriert. Die wichtigsten Informationen über die Prüfungen, die mit Handschrift abgeschrieben wurden, haben wir in den Vorlesungen und Praktika erhalten, da wir nur sehr wenige moderne Studienbücher – so wie „Gamong-Physiologie“ oder „Robbins-Pathologie“ – uns verfügbar waren. Ich hatte Glück, da mein Vater mich immer mit der aktuellen Fachliteratur auf Deutsch und Englisch versorgte. Dank des Englisch-Programms waren einige aktuelle Deutsche und Englische Studienbücher immer in der Bibliothek verfügbar.

Alle meine Freundschaften aus der Universitätszeiten sind sehr lieb für mich. Das Beste dauert noch immer, dauert Zeit und Ort hinüber aus.

- Warum hat Sie eben die Mikrobiologie angezogen?

- Mich haben immer die theoretischen Fächer angereizt, und in der Mikrobiologie – darin insbesondere die Grundforschung der Pathogenetik, die sich damit beschäftigt wie sich die Infektion an der Molekular-Zellulären Ebene formt – treffen sich zahlreiche theoretische Fächer (Molekularbiologie, Immunologie, Biochemie), und außerdem hat sie auch mit praktischen Bereichen enge Beziehung, wie zum Beispiel Infektiologie, Infektionskontrolle, Krankenhaushygiene und Antibiotika-Stewardship. Für eine Studentin in der 90er Jahren war es aber nicht so offenbar, und all dies konnte mir nur deshalb klarwerden, weil die Dozenten des damaligen Instituts für Mikrobiologie und Immunitätslehre uns in vielen unterschiedlichen Unterrichtsweisen aber mit unendlicher Überzeugung und Begeisterung über wichtigen Zusammenhängen aufgeklärt haben.

Professor Iván Kétyi erklärte die gesamte Bakteriengenetik mit Kreide an der Tafel. Die Professoren Júlia Szekeres und Tibor Pál präsentierten sehr dynamisch die damals recht aktuellen immunologischen Themen im Zusammenhang mit Mikroben, didaktisch und konzentriert. Professor Béla Kocsis gab die Grundlagen der Antibiotika einfach, plastisch, humorvoll und ebenfalls mit Kreide gezeichnet weiter. Sándor Vörös Assistenzprofessor, György Szûcs und Gyula Mestyán, Chefärzte, sind sehr gut mit den Infektionskrankheiten und der Mikrobiologie verbunden. Professor Emõdy, der dann mein TDK- und PhD-Themenleiter wurde, hat uns die molekularen Grundlagen der mikrobiellen Pathogenese ausführlich und strukturiert beigebracht, und als Praxisleiter ließ er uns auch die Essenz der klinischen mikrobiologischen Diagnostik verstehen. Während den TDK-Jahren, die sowohl freudig als auch ausdauernd waren, konnte ich dank exzellenter Assistentin von Professor Emõdy, Róza Lajkó die Grundlagen präziser experimenteller Arbeit kennenlernen. Als Ärztin haben die Kenntnisse, Fleiß und Menschlichkeit einer meiner Kolleginnen Dr. Mónika Kerényi noch stark beeinflusst.

- Warum haben Sie Pécs verlassen?

- Wie ich schon erwähnt habe, als Studentin war ich von der Mikrobiologie-Grundforschung begeistert. Ich erinnere mich an den Sommer nach meinem zweiten Studienjahr, bevor ich noch Mikrobiologie kennengelernt hätte, dass ich das spannende Buch Arrowsmith von Sinclair Lewis über einen Bakteriophagen-Forscher.  Ich dachte, dass ich auch so enthusiastisch arbeiten konnte, als der Hauptfigur, da die Grundforschung nur auf dieser Weise durchgeführt werden kann. Nach meinen Stipendien in der USA und in Deutschland wurde es aber klar, dass ich mich nicht so aufopfernd in die Grundforschung vertiefen kann, und ich habe deshalb in Richtung klinische Mikrobiologie gewechselt.

Nach meiner Studienreise nach München am Anfang 2008 habe ich fast 1,5 Jahren im Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunitätslehre gearbeitet. In diesem Zeitraum hat es sich herausgestellt, dass nicht nur meine Pläne bezüglich klinischer Mikrobiologie nicht verwirklicht werden können, sondern, dass ich mich im Unterrichten auch nicht verbessern kann. Ich habe in Ungarn keine solche Stelle gefunden, die meiner fachlichen Ausbildung entsprechend wäre, deshalb habe ich in Deutschland weitergesucht, und ich wurde im 600 Betten Krankenhaus in Bautzen aufgenommen als Fachärztin für Mikrobiologie und Krankenhaus-Hygienikerin. Ich musste alle diese Funktionen allein erfüllen, es war eine große Aufgabe für mich, die früher nur in Forschungslaboratorien gearbeitet hat.

- Wie Sind Sie nach Rostock gekommen?

- Ich kam über Bautzen nach Rostock. Für eine selbstständige Krankenhaushygienearbeit war es wichtig, verschiedene Pflichtkurse zu belegen, obwohl ich ständig Hilfe vom Hygieniker der Universität Dresden, Professor Lutz Jatzwauk, erhalten konnte. Die einwöchige Fortbildung zu Hygieneaudits, die von der Deutschen Gesellschaft für Mikrobiologie und Hygiene (DGHM) unterstützt wurde, fand zu dieser Zeit abwechselnd in Rostock und Homburg (Saarland) statt, als die beiden daran beteiligten Professoren für medizinische Mikrobiologie das Curriculum entwickelten und das Training organisierten. Im Sommer 2012, als ich auf die Warteliste kommen konnte, stand Rostock gerade in der Schlange. So habe ich meinen derzeitigen Chef, Professor Andreas Podbielski, kennengelernt. Ich war sehr von seinem äußerst vielfältigen und dennoch sehr gut strukturierten Wissen über klinische Mikrobiologie und Infektionskontrolle beeindruckt, das auf mikrobiologischer Pathogenese beruhte und Praxis und Theorie didaktisch miteinander verknüpfte, sowie von seiner Begeisterung und seinem Engagement für klinische Mikrobiologie und Infektionskontrolle. Er war auch mit meiner Kursleistung zufrieden und als wir uns im September 2013 auf dem jährlichen DGHM-Kongress in Rostock getroffen haben, bot er mir eine Stelle in seinem Institut an.

Ich bin derzeit Spezialistin, Pädagogin, Leiterin des Qualitätsmanagements und Leiterin des Labors für Krankenhaushygiene und Wassermikrobiologie am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universität Rostock. Ich bin auch Konsularen der zum Zentrum gehörenden Hämato-Onkologie-Klinik, und wir haben mit ihnen an gemeinsamen Dissertationen und kleineren Forschungsthemen im Rahmen des Onkologie-Forschungsschwerpunkts der Universität gearbeitet.

- Wie viel bedeutet Ihnen das Wissen, das Sie an der Medizinischen Fakultät in Pécs erworben haben?

- Die Studienjahre haben unweigerlich zu meiner Denkweise, meiner Einstellung zur Labordiagnostik und meinem Grundwissen beigetragen. Ich konnte die Grundlagen der klassischen mikrobiologischen Diagnostik und Laborarbeit sowie - durch den tragisch verstorbenen Professoren für Biochemie Gyula Kispál - molekulare Techniken erlernen.

- Gibt es fachliche Kooperation unter der Universitäten Pécs und Rostock?

- Ich habe nachgeschaut im PubMed Datenbank, wo ich drei Publikationen gefunden habe, die sowohl Autoren aus Rostock als auch aus Pécs haben. Zwei davon sind sehr aktuell, und stammen vom Institut für Translationale Medizin in Pécs, beziehungsweise von der Nephrologischen Klinik in Rostock.

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